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“Exoten in der Beratung”

Unternehmensberatungen haben komplexe Aufgaben zu bewältigen. Und Kundenaufträge, die nicht nur von einem Berater-Typus gemeistert werden können: Andersdenkende Köpfe, ausgefallene Lebensläufe, Exoten-Studiengänge sind da gefragt. In der Auswahl ihrer Bewerber legen die Unternehmensberatungen, deshalb auch wieder verstärkt Wert auf Interessenten aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen und Gebieten.

Die Vorteile von interdisziplinär zusammengestellten Beraterteams liegen auf der Hand. Verschiedene Sichtweisen ermöglichen die Herangehensweise an Probleme von unterschiedlichen Standpunkten.

Exoten im Consulting

Ungleiche Fähigkeiten-Schwerpunkte, wie z.B. Naturwissenschaftler können sich schneller in komplexe mathematische Zusammenhänge einarbeiten, BWLer haben einen natürlicheren Zugang zu strategischen Managementfragen, Ingeneure haben bei Kunden in der Industrie ein besseres Standbein, Mathematiker kennen sich aus in der abstrakten Welt der Zahlen.

Hans-Joachim Heider, Projektleiter bei Bain & Company, kennt die Vorzüge der „Exoten“-Studienfächer: „In der täglichen Arbeit geht es in erster Linie nicht um fachliches Wissen. Deshalb haben Absolventen aller Studienrichtungen gute Erfolgschancen in der Beratung. In meinem Ingenieursstudium habe ich Tools und Vorgehensweisen kennen gelernt und mir wurde beigebracht, mich schnell in Sachgebiete einzuarbeiten – davon profitiere ich am meisten.“

Bei der Boston Consulting Group ist man bei der Suche nach Beratern auch nicht auf einen festen Typus festgelegt. Ganz im Gegenteil, meint Just Schürmann, für das Recruiting verantwortlicher Geschäftsführer bei BCG: „Wir suchen herausragende Universitätsabsolventen und -absolventinnen aller Fachrichtungen - egal, ob sie Physik, Ingenieurwesen oder Wirtschaftswissenschaften studiert haben. Wir halten vielfältige Perspektiven für äußerst wichtig - interdisziplinäre Teams bewältigen komplexe Fragestellungen einfach besser und sind erfolgreicher bei der Suche nach innovativen Lösungen.“

Immer wieder hört man, dass es eigentlich auf ganz andere Dinge ankommt, als auf das Studienfach. In der Strategieberatung sind analytisches Vermögen, intellektuelle Neugier und Kreativität viel wichtiger.

Der Anforderungsprofil auf die Bewerber ist viel breiter gelegt, als noch vor ein paar Jahren. Unternehmensberater wie Capgemini oder Accenture wollen für 2007 verstärkt auch Mathematiker, Maschinenbauer oder Physiker einstellen. “Auch die berühmten „bunten Hunde“ völlig artfremder Studiengänge sind für uns höchst interessant“, berichtet Dr. Michael Büttner Leiter der Strategieberatung bei Capgemini Consulting.

Die Mischung macht’s. Die Kollegen von Beratern können Ingenieure, Betriebswirtschaftler oder auch Informatiker sein. Die Vorzüge bunter Mischungen und diese Vielfalt sind entscheidend für die optimale Zusammensetzung der Projektteams. Bei McKinsey arbeiten acht Prozent „Exoten“. Hier wird neben den  Fähigkeiten, außerdem sehr viel Wert auf Engagement auch außerhalb der Universität gelegt. Das Motto „Passion wanted“, gilt für Menschen mit Leidenschaft, im Beruf und im Privatleben.

Fabian Brandt, Recruiting Partner der General Management Consulting-Sparte von Oliver Wyman drückt es ganz simpel aus: „Wir suchen die Besten, unabhängig davon, was sie studiert haben.“ Oliver Wyman sucht sogar gezielt nach Exoten und hat eine eigene Recruiting-Kampagne für Ingenieure.

Dr. Johannes Viereck, promovierter Physiker bei Siemens Management Consulting sieht den Schwerpunkt seiner Aufgabe in einer Art „Mustererkennung“. „Ich muss gut zuhören, genau hinsehen und dann die kleinen Kieselsteine bewegen, die den Berg ins Rutschen bringen.“

Aber ist die Zusammenarbeit mit so vielen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und verschieden Fachrichtung nicht eher ein Behinderung bei der Arbeit? Nein, meint Christian Figge, Consultant bei L.E.K. Consulting. „Die Zusammenarbeit mit Kollegen ohne BWL- Hintergrund ist oftmals eine Bereicherung und stellt niemals ein Hindernis dar.“

Gibt es den idealen Kandidaten also nicht mehr? Da zunehmend auch soziale Einrichtungen und Krankenhäuser beraten werden wollen, werden auch Sozial- und Kulturwissenschaftler sowie Mediziner gebraucht. Es scheint also ganz auf das Einsatzgebiet anzukommen. Geistes- und Sprachwissenschaftler gelten zwar als Exoten, doch auch auf sie trifft man in diesem abwechslungsreichen Metier. Ebenso bunt ist der Mix der Nationalitäten. Fragt sich nur in welcher Sprache man sich dann unterhält?

 


 


 

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