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Interview mit Karsten Sauer, Co-Autor von FRA-MUC-FRA
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Consulting-Insider sprach mit Karsten Sauer, einem der Masterminds hinter FRA-MUC-FRA.
CSI: Karsten, Du und Michael habt mit FRA-MUC-FRA ein Buch über den Alltag als Unternehmensberater geschrieben. Erzähle uns ein bisschen über Euren eigenen Hintergrund.
Sauer:
Wir sind beide als Direkteinsteiger in der Beratungsbranche gestartet. Sahnau im Beratungszweig von Siemens, ich bei KPMG Consulting (jetzt BearingPoint). Die erste Zeit waren wir überwiegend mit SAP-Projekten beschäftigt. Später wurden daraus IT-Projekte in verschiedensten Bereichen.
CSI: In wenigen Sätzen, wovon handelt das Buch?
Sauer:
FRA-MUC-FRA ist das realistische Tagebuch eines jungen Unternehmensberaters. Zweigeteilt serviert: In der ersten Hälfte ist der frische Einsteiger der Held, der durch die typischen Beratersituationen stolpert und sie mehr oder weniger unfallfrei meistert – oft weniger. |
In der zweiten Hälfte ist er bereits vier Jahre dabei und einiges, was anfangs noch Faszination, Glanz und Glamour darstellte, ist verblasst und vielen Erkenntnissen gewichen, über die wortreich resümiert wird.
CSI: Du sagst zwar, die Geschichte sei „frei erfunden“, gleichzeitig ist FRA-MUC-FRA“ eine autobiografische Abrechnung mit Deiner Beraterkarriere. Wie viel des Buches stimmt, was ist übertrieben?
Sauer:
Ehrlich gesagt sind 99% der Story tatsächlich so passiert. Wenn nicht Sahnau oder mir, dann eben einem oder einer anderen, den wir im Vorfeld befragt haben.
CSI: Nach der Abrechnung: Was waren die guten Seiten der Beraterzeit?
Sauer:
Unschlagbares Plus bei dem Job ist eindeutig die enorm steile Lernkurve, die sich fast selbstverständlich mit den verschiedenen Projekten und Mandanten einstellt und vom Arbeitgeber gefordert und gefördert wird. Nächster Punkt ist definitiv das satte Gehalt und die großzügigen Erhöhungen desselben. Zumindest war das noch in unserer Beratungszeit so. Die Reiserei war die erste Zeit auch super, mit der Zeit aber forderte sie ihren Tribut.
CSI: In Eurem Buch erzählt Ihr von der gefühlten Entfremdung vom „echten Leben“ – von Freunden, Partner und ihren Alltagsproblemen. Hast Du erlebt, dass Kollegen daran persönlich gescheitert sind?
Sauer:
Die Kollegen, die sich mit Haut und Haaren dem Beraterjob hingaben, haben zumeist eine gute Karriere hingelegt. Und das mit dem Partner hat sich bei den meisten dann von selbst geregelt – zum Guten und zum Schlechten. Bei Kollegen mit ausgeprägtem Festhalten am Alltag ging es moderater voran, dafür hatten die wahrscheinlich ein geregelteres Privatleben.

CSI: Was machen diejenigen besser, die die Herausforderungen des Berater-Alltags mit ihrem Privatleben gut vereinbaren können? Wer wird erfolgreich als Unternehmensberater (und Mensch)? Welche Tipps kannst Du Absolventen / jungen Berufstätigen geben, die eine Berater-Karriere planen?
Sauer:
Eindeutig im Vorteil sind Organisationsgenies, die ihre knappe Freizeit aktiv zu planen wissen. Außerdem ist es wichtig sehr präsent zu sein, sei es im Job oder im Privaten - wenn man beides zu sehr vermischt und nicht mit voller Aufmerksamkeit angeht, knallt es meistens. Gold wert ist dabei ein Partner, der versteht, warum man diesen Job macht oder gar selbst ähnlich engagiert im Beruf ist.
Wichtig ist auch, dass man seine Prioritäten mit Bedacht setzt und konsequent verfolgt. Eine ausgeprägte Dienstleistungsmentalität und höchste Einsatzbereitschaft sind ein Muss und werden auch belohnt.
Erfolgreich wird derjenige sein, der sich über den Deal bewusst ist, den der Einstieg in eine Beratungskarriere darstellt und ihn willens eingeht: Viel Geld, Chancen und Weiterbildung, gegen höchsten Einsatz und Bereitschaft, den Kunden über alles zu stellen. Jemand der gut mit verschiedensten Menschen umgehen kann und will, wird auf seine Kosten kommen.
CSI: Der Berater-Alltag, den Euer Buch (hyperbolisch) beschreibt, ist ja nicht gänzlich unbekannt. Dennoch – oder gerade deswegen – wirkt die Berater-Zunft für Top-Absolventen sehr anziehend. Was können Absolventen heute von der Consulting-Karriere erwarten?
Sauer:
Nach wie vor können Einsteiger schnell hierarchieübergreifend Erfahrungen sammeln, die, in egal welcher späteren Position sie nach der Beratung arbeiten werden, Gold wert sind. Bezahlung und die Möglichkeit zur professionellen wie persönlichen Weiterentwicklung sind gegenüber anderen Berufen weit überdurchschnittlich vorhanden. Allerdings ist auch der Wind mit der siechenden Konjunktur deutlich rauer, das gesamte Umfeld anspruchsvoller geworden. Aber diejenigen, die gute Beratertypen sind, haben nach wie vor gute Chancen – nur trennt sich heute die Spreu eben schneller vom Weizen.
Was mich persönlich lange im Job gehalten hat: Der Zusammenhalt mit den Kollegen und der damit verbundene Spaßfaktor dürfte in der Arbeitswelt seinesgleichen suchen.
CSI: Wenn man einmal einen Berater-Job ergattert hat, worauf muss man in den ersten Wochen und Monate besonders achten?
Sauer:
Die ersten Wochen und Monate ist ungeteilte Aufmerksamkeit und maximaler Einsatz gefragt. Das ist kein geeigneter Zeitpunkt für einen Umzug, eine Reise oder eine Hochzeit. Und das Training im Verein oder der Stammtisch sind dann erst mal dem Job nachgeordnet.
Wenn es beim Einarbeiten holpert: immer mit eigenen, durchdachten und aufbereiteten Vorschlägen nachhaken. Nichts ist für den Senior unerfreulicher, als ein unselbstständiger lethargischer Befehlsempfänger. Einsteiger sollten sich schnell mit den ungeschriebenen Projektgesetzen vertraut machen: Bei wem muss ich mich ggf. ab- /und anmelden? Wer schreibt die Protokolle und verteilt sie wie schnell? Welche gemeinsamen Dokumente müssen wann wie gepflegt werden? Ist Reisezeit = Arbeitszeit? Wird stunden- oder viertelstundengenau ins Time-Sheet eingetragen? Und so weiter und so fort. Aber Vorsicht: Im nächsten Projekt ist wieder alles anders!
Wenn das Projekt in einer fremden Stadt stattfindet, abends nach Möglichkeit an allen Freizeitaktivitäten teilnehmen – und wenn es nur das gemeinsame Abendessen mit anschließendem Besäufnis ist. Nirgendwo sonst erfährt man so viel über das Projekt, die Kollegen, den Kunden, die Firma wie off-Project. Außerdem kann man sich so am besten mit den Menschen anfreunden, mit denen man sehr viel Zeit verbringen wird und mit denen man oft eng zusammenarbeiten muss.
CSI: Wie seid ihr auf die Idee gekommen FRA-MUC-FRA zu schreiben? Wie verlegt ihr das Buch?
Sauer:
FRA-MUC-FRA entstand aus der Erfahrung, dass wir zwar in verschiedenen Unternehmen und Branchen beschäftigt - aber ständig Vergleichbares erlebt haben. Das wollten wir nach der Beratungszeit einmal sauber analysieren um es für uns aufzubereiten. Und da (Ex-)Berater nicht anders können als Projekt daraus zu machen entstand FRA-MUC-FRA.
Ein schöner Nebeneffekt ist, dass wir nie wieder in die Verlegenheit kommen, dem Freundes- und Familienkreis erklären zu müssen, was ein Berater eigentlich so die ganze Woche über macht. Wir können jetzt einfach auf das Buch verweisen: FRA-MUC-FRA ist die Antwort auf diese Fragen. Da gab es viel ‚Aha‘ in unserem Umfeld.
Das Buch gemeinsam zu schreiben, war für uns die Versicherung, dass das Projekt auch zum Abschluss gebracht wird, da es neben der beruflichen Tätigkeit doch einiges an zusätzlichem Zeitaufwand erfordert. Wir verlegen das Buch im Selbstverlag bei BoD. Das hat neben dem Beibehalten aller Rechte den Vorteil eines fest kalkulierbaren finanziellen Risikos.
CSI: Karsten, vielen Dank für das Interview.
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