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“Frauen in der Beratung”

Um keinen Berufszweig wie die Consultingbranche wird soviel Geheimniskrämerei gemacht, doch auch keine Branche hat soviel Strahlkraft. Für viele gilt ein Job bei einer Unternehmensberatung als Traumjob. Doch gelten Unternehmensberatungen klassischerweise als reine Männerdomäne. Von den derzeit rund 1.100 Beratern in Deutschland sind nur 17 Prozent weiblich. Das hohe Anforderungsprofil, die vermeintliche Ellenbogen-Atmosphäre und familienunverträgliche Arbeitszeiten schrecken Bewerberinnen häufig ab. Das Bild vom smarten, dynamischen Junior Consultant in Schlips und Kragen hält sich hartnäckig. „Über keinen Beruf gibt es so viele Vorurteile", sagt Dorothee Sonntag. Auch die BWL-Studentin aus Ingolstadt war den ausufernden Arbeitszeiten gegenüber skeptisch. „Ich war mir nicht sicher, ob ich solchen Anforderungen gewachsen wäre“, erzählt die Studentin mit den Schwerpunkten Finanzierung und Bankbetriebslehre. Typisch weibliche Skrupel, die den männlichen Nachwuchs weniger plagen. „Frauen muss man viel mehr motivieren“, sagt Susanne Theisen, Director of Recruiting bei McKinsey. „Selbst Frauen mit tollen Studienabschlüssen gehen häufig zu selbstkritisch mit sich um, während Männer mit eher mittelmäßigen Ergebnissen sehr selbstbewusst auftreten."

Kampf um die besten Talente

Die Unternehmensberatungen sind in der Klemme: Einerseits wollen sie sehr stark wachsen – gleichzeitig wollen sie die Top-Absolventen der führenden Hochschulen einstellen. Der Kampf um die besten Talente intensiviert sich. Die Beratungen haben in ihrer Kommunikation die Frauen schlichtweg vergessen und müssen ihre Versäumnisse nun mühsam nachholen nach: Verstärkte Einbindung von Frauen in den Recruiting-Anzeigen, spezielle Recruiting-Events für Frauen, Mentorenprogramme für talentierte Studentinnen und familienfreundlichere Work-Life-Balance Regelungen in den Unternehmen. Ziel der meisten Beratungen ist ihre niedrigen Frauenquoten deutlich zu steigern. „Noch immer finden zu wenige Frauen den Weg in die Unternehmensberatung“, erklärt McKinsey-Deutschlandchef Frank Mattern. „Mittelfristig möchten wir den Anteil der Beraterinnen auf 30 Prozent steigern.“ Dies entspricht in etwa dem Prozentsatz der Berufseinsteigerinnen mit Studium.

Bei Roland Berger sind rund zwölf Prozent Frauen unter Vertrag, auf 20 Prozent soll der Anteil in den nächsten zwei Jahren wachsen. Bei McKinsey arbeiten 15 Prozent Beraterinnen, 35 Prozent sollen es werden. The Boston Consulting Group beschäftigt immerhin 20 Prozent Frauen, sieht aber ein Potenzial von 30 Prozent.
Um mehr Akademikerinnen für einen Einstieg in die Beratung zu gewinnen und die eigenen Beraterinnen länger zu halten, hat McKinsey Anfang 2005 die Women & Family Initiative gestartet. Bestandteil dieser Initiative ist das Mentorenprogramm "McKinsey Capstone", das herausragende Studentinnen und Doktorandinnen auf ihrem Weg in den Beruf unterstützt. Die Initiative hilft außerdem allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Beruf und private Lebensplanung zu vereinen – mit Mentorenprogrammen, variablen Arbeitszeitmodellen und Angeboten zur Kinderbetreuung. So hält McKinsey Plätze in eigenen und externen Kinderkrippen bereit. Der Familienservice hilft bei der Suche nach qualifizierten Tagesmüttern und Au-pair-Mädchen, vermittelt kurzfristig Notmütter und verfügt über so genannte Backup-Einrichtungen in Kinderkrippen und Kindergärten, wenn der Nachwuchs im Notfall einmal kurzfristig untergebracht werden muss. Auf allen Stufen des Werdegangs bietet McKinsey flexible Arbeitszeitmodelle an. Ob 80, 60 oder weniger als 50% – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Wahl.

Auch The Boston Consulting Group kümmert sich um seine Mitarbeiter mit eigenem Nachwuchs. Just Schürmann, für das Recruiting verantwortlicher Geschäftsführer bei BCG, hat schon selbst von den neuen Modellen Gebrauch gemacht: „Ich selber habe mir auch bei der Geburt meiner Tochter eine dreimonatige Auszeit genommen.
Die Angebote für unsere Berater reichen von Sabatticals über Home-Office bis zur Hilfe bei der Organisation von Kinderbetreuung und die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. Sogar drei unserer Geschäftsführerinnen arbeiten Teilzeit, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben.“                                                                                            

Juliane Kronen, Geschäftsführerin bei BCG, weiß um den Stellenwert ihrer weiblichen Kollegen: „BCG ist in den letzten Jahren stark gewachsen – und will auf die weiblichen Talente einfach nicht verzichten. Außerdem wissen wir, wie wichtig gemischte Teams sind. Darum wollen wir mit gezielten Maßnahmen, noch mehr herausragenden Universitätsabsolventinnen für den Beraterjob begeistern.“

Dabei sind Unternehmensberatung für Frauen ein optimales Sprungbrett, betont Susanne Theisen, Director of Recruiting bei McKinsey. „Sie gewinnen in kürzester Zeit wichtige Berufserfahrung und schaffen sich eine hohe Flexibilität für später, wenn zum Beispiel die Familienplanung wichtig wird.“

Der Beraterberuf hat seine Vorteile, durch die neuen Angebote ist es immer mehr möglich Beruf und Familie in idealer Weise zu vereinbaren, indem man z.B. in  Teilzeit arbeitet, gleichzeitig aber herausfordernde, vielseitige und verantwortungsvolle Aufgaben zu übernimmt.

Auch bei der Unternehmensberatung CapGemini Consulting wissen Mitarbeiterinnen wie Stefanie Arnold die Vorzüge einer Teilzeitstelle zu schätzen: „Ich habe das Glück, als Mutter eines kleinen Jungen meinen Job in einer 60%-Teilzeit ausüben zu können. Daher kann ich vier Tage der Woche meiner Familie widmen.“

Trotz aller Bemühungen auf Seiten der Firmen sich verstärkt für weibliche Berater einzusetzen und diese einzustellen, klafft auf der Führungsetage noch eine Riesenlücke. Hier sind die Damen in der absoluten Minderheit und schaffen sie es doch einmal nach oben werden sie umso kritischer beäugt.

Felizitas Diem, Principal bei Capgemini Consulting kennt die Szenen nur allzu gut, wenn man als Frau mal wieder gegen die alten Rollenmodelle ankämpfen muss: “Man muss mit hartem Gegenwind umgehen können. Das heißt, viel Feingefühl in Kombination mit einem dicken Fell. Gerade als Frau hat man da schon einmal Momente wie: Nett, Sie kennen zu lernen, aber wo ist denn jetzt der Projektleiter?“

Bei McKinsey wird vor allem auch auf die geschlechtsunterschiedlichen Zusammensetzung von Teams geachtet um eine erfolgreiche Projektarbeit zu gewährleisten. Die Unterschiede im Team beziehen sich  nicht nur auf die fachliche Ausbildung, sondern eben auch auf das Geschlecht. Der Bedarf an Top-Performern ist mittlerweile so hoch, dass dieser aufgrund der demographischen Entwicklung einfach nicht mehr gedeckt werden kann: Es mangelt an guten Männern auf dem Markt und die Anzahl erstklassig ausgebildeter Akademiker wird immer kleiner. Das Reservoir an Toptalenten ist folglich begrenzt.

Verena Jakwerth, Beraterin bei Oliver Wyman berichtet von ihren Erfahrungen aus erster Hand: „Die Erfahrung zeigt, dass Beraterinnen nicht nur die nötigen analytischen und kreativen Fähigkeiten mitbringen. Teams mit Frauen an Bord haben meist ein angenehmeres Arbeitsklima und kommen besser beim Kunden an. So will heute keine Beratung mehr auf weibliche Verstärkung verzichten“

Umso konsequenter fährt man bei Oliver Wyman den Einstellungskurs und hat im letzten Jahr fast 40 Prozent Frauen eingestellt.

Auch Marion Koriath, Project Manager bei Siemens Management Consulting, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Ich erinnere mich gerne an mein erstes Projekt bei SMC, in dem ich, die Modulleitung für ein Umsatzsteigerungsprojekt hatte und mein Kliententeam aus fünf erfahrenen, älteren Managern bestand. Der erste Eindruck der Herren war sicher, was will die junge Frau uns erzählen, aber schon nach den ersten Tagen hatten wir eine sehr professionelle und angenehme Teamatmosphäre etabliert, in der ich Methodik und Vorgehen beisteuern konnte und die Kollegen Ihr Wissen einbrachten. Am Ende hatten wir einen erfolgreichen Piloten etabliert, der von dem Bereich auf andere Kunden übertragen wurde.“

Es bleibt festzuhalten, dass Beratungen verstärkt auf Frauen setzen. Weibliche Bewerber sollten sich ihre Wunsch-Arbeitgeber und das Umfeld genau ansehen, um zu entscheiden ob der Beraterjob für sie in Frage kommt und welche Angebote offeriert werden, um Familie und Karriere unter einen Hut zu kriegen. Interessante Möglichkeiten bieten Workshops und Events speziell für Frauen. Hier trifft man auf Gleichgesinnte und kann mit aktiven Beraterinnen aus der Branche ins Gespräch kommen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings auch schon zu erkennen. „Meine männlichen Kommilitonen fühlen sich allerdings diskriminiert - das ist mal ein ganz neues Erlebnis“, berichtet Daniela Keusen, BWL-Studentin der Eliteuniversität St. Gallen mit einem Schmunzeln im Gesicht. Es gebe eben auch keine speziellen Recruiting-Events für Männer.


 


 

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